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Grüner Wasserstoff in Österreich

In Europa wurde 2021 ein großer Anstieg bei Investitionen in grünen Wasserstoff registriert. Auch in Österreich nehmen Aktivitäten rund um Wasserstoff als Energiequelle zu. Große Energieversorger setzen bereits klare unternehmerische Schritte, um beim Aufbau des nationalen wie auch europäischen Wasserstoffnetzwerks mitzumischen.

Christoph Reicho

In Österreich wächst der Wasserstoffmarkt im Vergleich zu Europa zwar noch mit mit einem weit langsameren Tempo, aber die Projekte innerhalb des neuen Energie-Sektors steigen an. Victor Purtscher, Partner beim österreichischen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG, schätzt die Entwicklung als „sehr positiv“ ein, da es eine klare Zunahme an Aktivitäten bei Universitäten, etablierten Konzernen sowie StartUps aus verschiedenen Branchen im Bereich Wasserstoff gibt. Erkennbar sei, dass sich österreichische Unternehmen aktuell mehr auf den Sektor der „Anwendungen“ und weniger auf „Herstellung“ oder „Infrastruktur“ fokussieren.

Energieversorger VERBUND setzt auf Wasserstoff in Österreich

Ein Unternehmen, das in Österreich im Bereich Wasserstoff bereits höchst aktiv ist, ist der Energieversorger VERBUND: Ziel sei es das europäische Grün-Wasserstoff-Netzwerk aufzubauen. Dafür hat VERBUND nun 2021 zusammen mit Technologiepartnern und Abnehmern das Projekt „Green Hydrogen @ Blue Danube” gegründet – „zum Aufbau einer europäischen Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff“. „Green Hydrogen @ Blue Danube” wurde im Rahmen der EU-Initiative IPCEI (Important Projects of Common European Interest) ins Leben gerufen, die für Europa strategisch essentielle Technologien fördert. Dazu zählt u.a. Wasserstoff. Das Projekt fokussiert sich auf Produktion, Transport und Abnehmer im Industrie- und Mobilitätsbereich. In der Umsetzungsphase 1 sind Produktion und Verwendung von grünem Wasserstoff in Österreich und Bayern geplant. Neben dem österreichischen Projektkoordinator VERBUND sind beispielsweise die AVL, Siemens Energy und die deutsche Hydrogenious LOHC Technologies sowie die ÖBB und die Donautankschifffahrtsgesellschaft (Transport) als Projektpartner an Board. Unter den bisherigen Abnehmern scheinen unter anderem der heimische Nahrungsmittelkonzern Agrana, der deutsche Mineralölkonzern Bayernoil, das Technologieunternehmen Bosch und der Logistiker DB Schenker auf.

Step 2: Ausbau in Südosteuropa

Der zweite Entwicklungsschritt des Projektes soll daraufhin in Südosteuropa stattfinden. Grüner Strom aus Wind, Wasser und Sonne werde hier in grünen Wasserstoff umgewandelt. Die Gründe für dieses Vorhaben liegen laut VERBUND in den „begrenzten heimischen Erzeugungskapazitäten von Wasserstoff“. Durch die Produktion in Südosteuropa kann der gewonnene Wasserstoff entlang der Donau und dem europäischen Transportkorridor TEN-T (Trans-European Transport Network) zu Abnehmern in Österreich und Deutschland transportiert werden.

Ziel: Führungsrolle bei grünem Wasserstoff

Für VERBUND ist grüner Wasserstoff, neben grünem Strom, ein wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung Europas. Das Unternehmen setze auf grünen Wasserstoff, da dieses Produkt einen wesentlichen Treiber zur Erreichung der Klimaziele darstelle, sagt Michael Strugl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von VERBUND. Der Konzern wolle mit seinen Partnern aus Österreich und Europa eine Führungsrolle einnehmen, um grünen Wasserstoff zum Durchbruch zu verhelfen, so Strugl weiter.

Österreichische Elektrolyseanlagen

Die laut Voestalpine weltgrößte Pilotanlage zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff ist am Linzer Standort in Betrieb und stellt österreichweit ein Vorzeigeprojekt in der Entwicklung neuer Energieversorgungen dar. Ziel des von der EU mit 18 Millionen Euro geförderten Projektes „H2FUTURE“ ist die Erforschung der industriellen Produktion von grünem Wasserstoff und des Potenzials zum Bereitstellen von Netzdienstleistungen sowie dem Ausgleich von Stromnetzschwankungen. Die neue Anlage verfügt über sechs Megawatt Anschlussleistung und gilt als die derzeit wirkungsvollste und modernste ihrer Art.

Als Projektpartner ist neben Austrian Power Grid, K1-MET und TNO auch VERBUND dabei. Linz ist jedoch nicht der einzige österreichische Standort: Beim Kraftwerk Mellach gibt es eine reversible Festoxid-Elektrolyse und -brennstoffzelle mit dem Projektnamen „Hotflex“. Auch hier zeigt sich für die Entwicklung der VERBUND-Konzern verantwortlich.

Wasserstoff in Wiener Gasturbine

Auch in der Hauptstadt Wien gibt es ambitionierte Testversuche in der Anwendung von Wasserstoff: Im Kraftwerk Donaustadt – eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage von Wien Energie – startet der weltweit erste Versuch in einer Gas- und Dampfturbinen-Anlage umweltfreundlichen Wasserstoff dem umweltschädlichen Erdgas beizumischen. Wien Energie, RheinEnergie, Siemens Energy und VERBUND treten dabei als Kooperationspartner auf und haben 2021 einen Vertrag unterzeichnet. Die Projektkosten belaufen sich auf knapp zehn Millionen Euro. „Bis 2040 will Wien klimaneutral sein. Für die Wärmewende und den Klimaschutz in unserer Stadt spielt der Einsatz von grünen Gasen in unseren Kraftwerken eine zentrale Rolle. Mit dem weltweit ersten Wasserstoff-Betriebsversuch in einer Gasturbine machen wir den entscheidenden Schritt vom Papier in die Praxis. Dieses länderübergreifende Kooperationsprojekt ist ein Vorzeigebeispiel für die gesamte Branche“, betont Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

Wasserstoff-Beimischung ab 2023

Bei der Projekt-Turbine handelt es sich um eine Siemens Energy-Gasturbine vom Typ 4000 F. 2022 wird diese für das Projekt vorgesehene Turbine umgerüstet, 2023 startet die Beimischung von Wasserstoff. Im ersten Testabschnitt liegt der Wasserstoffanteil bei 15 Prozent. In einem zweiten Abschnitt würde diese Menge dann verdoppelt werden. Stellt sich der Versuch als Erfolg heraus, steht in Aussicht die Anlage für einen Dauerbetrieb zu zertifizieren. Bei 15 Prozent Wasserstoffbeimischung non-stop wäre das eine Jahresreduktion von 33.000 Tonnen CO2. Die durch den praktischen Test im Kraftwerk Donaustadt gewonnen Daten und Ergebnisse werden einerseits für die Realisierung der breiten Anwendung von Wasserstoff als Energiequelle und  für die Entwicklung der neuen Gasturbinen-Generation verwendet.

Fehlender Rechtsrahmen in Österreich

Kritische Stimmen zu noch ausstehenden konkreten Maßnahmen auf politischer Ebene in Österreich kommen von der Wirtschaftskammer Österreich und vom Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW). So fehle bisher nach wie vor ein konkreter Rechtsrahmen. „Österreich muss mit einem Rechtsrahmen für die Erzeugung von Wasserstoff und grünem Gas rasch nachziehen und Voraussetzungen schaffen, die die Energiewende beschleunigen“, fordert Karlheinz Kopf, Generalsekretär der WKÖ. Auch an Partnerschaften für Wasserstoffimporte solle gearbeitet werden. „Während andere Länder bereits Wasserstoff-Partnerschaften rund um den Globus eingehen, fehlt in Österreich immer noch eine Wasserstoff-Strategie. Hier müssen wir Tempo machen“, fordert Kopf.

Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands Gas Wärme (FGW), äußert sich über das kürzlich beschlossene EU-Dekarbonisierungspaket zwar positiv, übt  allerdings Kritik an den ausstehenden Entscheidungen der österreichischen Regierung für diesen Bereich: „Dieser technologieoffene Zugang der EU stellt die richtige Herangehensweise dar, um unsere ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Wir brauchen keine Diskussion über Gasanwendungsverbote, sondern Planungssicherheit für Investitionen in Grünes Gas und zur Adaptierung der Gasinfrastruktur in Richtung Wasserstoff“, fordert Mock. „Daher ersuchen wir Energieministerin Leonore Gewessler endlich Maßnahmen zur Forcierung von Grünem Gas und Wasserstoff in Österreich zu setzen. Sowohl die Umsetzung des EAG, das im Frühjahr angekündigte Grün-Gas-Gesetz oder die Wasserstoffstrategie lassen auf sich warten.“

Interessante Links zum Thema:

MDR Dok „Ist Wasserstoff die Kohle der Zukunft?“

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Fotocredit: packmas.JETZT

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