Aktivismus oder Vandalismus?
schluss_jetzt - Aktionismus

Aktivismus oder Vandalismus, das ist hier die Frage!? Lasst uns Klartext reden!

Dienen die Aktionen der Last Generation dem Ziel, den Klimawandel zu stoppen? Oder sind sie kontraproduktiv und schaden auch gleich allen anderen Initiativen zur Bewältigung der größten Herausforderung der Menschheit? Aktivismus auf dem Prüfstand …

von Peter Suwandschieff

Fast jeden Tag erreicht uns eine neue Meldung über AktivistInnen, die Kunstwerke bzw. Gemälde von berühmten KünstlerInnen mit Farbe oder Tomatensuppe übergießen, um so auf den Klimawandel respektive seine Folgen aufmerksam zu machen. Und damit die Aktion nicht binnen Sekunden durch die Sicherheitskräfte vor Ort wieder beendet werden kann, kleben sich die Vertreter der “Last Generation”, wie sie sich selbst nennen, auch noch am betroffenen Ausstellungsstück fest. Medienwirksam wird alles mit dem Smartphone mitgefilmt.

Zuallererst sei erwähnt, dass die Intention der jungen Leute keinesfalls jene ist, weltberühmte Kunst zu zerstören oder aggressiv gegen Kunst und Kultur vorzugehen. Sie versichern stets, dass sie noch kein einziges Werk beschädigt hätten, da diese immer durch eine Verglasung geschützt seien. Zudem sei es aber auch nicht ihr Ziel, Beliebtheitswettbewerbe mit ihren Aktionen zu gewinnen. Ihnen geht es ausschließlich um Aufmerksamkeit für ihr Anliegen.

Die Botschaft bleibt ungehört …

Und hier liegt eigentlich auch genau das Problem. Denn wie es aussieht, lassen einen diese aktivistischen Vorfälle ganz und gar nicht an den Klimawandel denken. Sie verschieben den Fokus viel mehr auf diese Art des Aktivismus. Und das vermutlich so stark, dass diese Klebe-Schütt-Aktionen wohl eher als kontraproduktiv anzusehen sind – im Sinne des Klimawandels und der gewünschten Durchsetzung von geeigneten Maßnahmen, diesen zumindest abzuschwächen.

Sehr viele Menschen verstehen zwar den Zorn über die Tatenlosigkeit unserer PolitikerInnen auf globaler Ebene. Außer Lippenbekenntnissen ist de facto nichts passiert – seit mehr als 20 Jahren nicht; ja eigentlich schon viel länger. Und das nur, weil unser politischen VertreterInnen offensichtlich nicht den Mut haben, eindeutig Farbe zu bekennen und endlich wirksame Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen sowie gegen etwaige Ausbeutungen und Ressourcen- bzw. Lebensmittelverschwendung zu setzen. Maßnahmen für eine lebenswerte Zukunft. Es gibt auch keine Strategie mit einem klaren Umsetzungsplan, den sie uns präsentieren könnten.

Ihre Angst, bei den nächsten Wahlen Stimmen und Machtansprüche zu verlieren, ist viel größer als die Vernunft. Also wird nicht über den jeweiligen Periodenrand hinaus geschaut – Probleme, die aller Voraussicht nach erst künftige Generationen betreffen, an denen sollen sich doch besser die PolitikerInnen der Zukunft die Zähne ausbeißen; auch wenn es dann schon zu spät sein wird. Die Devise lautet also weiterhin: einfach wegducken und abwarten. Der nächste Wahlkampf steht quasi eh schon wieder vor der Tür. Da lässt es sich gut mit allen möglichen anderen Themen von der größten Herausforderung in der Geschichte der Menschheit ablenken. Das ist traurig und macht wütend!

Aktivismus ohne Inhalte

Der Zorn der AktivistInnen ist also absolut verständlich. Auch die Tatsache, dass sie um jeden Preis Aufmerksamkeit erzielen wollen, erscheint vor diesem Hintergrund sogar notwendig. Die Frage ist allerdings, ob hierfür nicht der Fokus nach- bzw. komplett umgeschärft werden müsste – und zwar mehr in Richtung inhaltlicher Übermittlung der Botschaften. Denn die Parolen, die sie während ihrer Klebe-Schütt-Aktionen ausrufen, bleiben vollkommen ungehört, gehen unter im medialen Rauschen und in der Debatte über diese Form des Vandalismus innerhalb unserer Kunst- und Kulturstätten.

Das ist mindestens genauso traurig wie die Klimaparalyse unserer PolitikerInnen. Denn auf diese Weise wird nicht gegen den Klimawandel bzw. für eine Reform des Wirtschaftssystems mobil gemacht, sondern gegen Klima-AktivistInnen und den Protest an sich! Doch dann richten sich diese Aktionen nicht nur gegen Kunstwerke – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung -, sondern auch gegen die Demokratie insgesamt, da Protest in demokratischen Gesellschaften ein wesentliches Element zur politischen Mitgestaltung darstellt.

Und außerdem geben die VertreterInnen der Last Generation allen Klimawandel-Skeptikern und Turbokapitalisten auf diese Weise immer wieder eine wunderbare Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass alle Menschen, die sich gegen den Klimawandel stark machen, sowieso nur weltfremde Spinner und Randalierer sind. Und das kann wohl nicht im Interesse der AktivistInnen sein. Denn das bremst auch die eigentlichen Ziele der Last Generation komplett aus.

Hier geht’s zur Webseite der Last Generation:

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1 Kommentar
  1. Armin 2 Wochen ago

    Ich finde diese “aktivistischen Vorfälle” in der öffentlichen Wahrnehmung eher losgelöst von Kampf gegen den Klimawandel. Aber ich kann nicht sagen, ob das den eigentlichen Anliegen schadet oder zu Gute kommt.
    Die Aussage, dass die mit Neuwahlen endende Politikerverantwortung kontinuierliche Arbeit für den Klimaschutz verhindert kann ich so nicht nachvollziehen. Schließlich gibt es verbindliche internationale Vereinbarungen, die über Legislaturperioden hinausreichen.
    Aktivistinnen wollen Aufmerksamkeit und fordern engagierteren Klimaschutz. Fordern ist eine Sache. Tun eine andere.
    Die Forderungen richten sich an Politik und Industrie. Diese Akteure sind massiv mit der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen befasst. Die eigentliche Frage dahinter ist – wie bei allen politischen Belangen – “wen trifft es wie” (Strukturwandel / Beschäftigung / Nachfrage-Verschiebungen etc.)?

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