Neues Leben für alte Kippen: Aus Zigaretten-Stummel werden Sammelbehälter - packmas.jetzt

Neues Leben für alte Kippen: Aus Zigaretten-Stummel werden Sammelbehälter

Zigarettenkippen können seit einiger Zeit in Deutschland recycelt werden. Mario Merella hat 2018 den Verein Tobacycle gegründet und sagt den Zigarettenstummeln den Kampf an. Mit einer Vielzahl von Helfern sammelt und recycelt er bundesweit die Raucherhinterlassenschaften.

Alexander Hauk

„Dass die hässlichen Stummel hochgiftig und für die Umwelt extrem schädlicher Sondermüll sind, ist den meisten Menschen gar nicht bewusst“, sagt der Kölner Mario Merella. Eine Zigarettenkippe enthält mehrere tausend schädliche Stoffe, darunter Arsen, Schwermetalle wie Cadmium, Blei und natürlich das Nervengift Nikotin. Das Problem: Bei Regen sickern diese gefährlichen Stoffe in den Erdboden oder ins Grundwasser.

Die Welt wird zum Aschenbecher: Weltweit sind Zigarettenstummel der am häufigsten unachtsam weggeworfene Müll. Überall sind sie zu sehen, auf Gehwegen, in Gullys, vor Kneipen, unter Sitzbänken, in Parks, Wäldern und Gewässern. Jedes dritte Stück Plastik in den Ozeanen ist ein Zigarettenfilter und in Städten machen Zigarettenkippen laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation 30 bis 40 Prozent des aufgesammelten Abfalls aus. „Ich will, dass künftig keine Zigarettenkippe mehr in der Umwelt landet“, sagt Merella.

Das gesteckte Ziel ist hoch, denn Experten gehen davon aus, dass weltweit jede Sekunde mehr als 130.000 Zigarettenkippen unachtsam in die Natur geworfen werden. Das Problem: Die aus Zelluloseazetat bestehenden Filter zerfallen oft erst nach Jahrzehnten. Schon eine einzige Zigarettenkippe kann mehrere Dutzend Liter Wasser verseuchen. Studien zeigen, dass schon eine Kippe pro Liter Wasser ausreicht, um Kleintiere und Fische in kurzer Zeit zu töten.

Sammelsystem für Zigarettenabfälle

Für seinen Kampf gegen die giftigen Kippen baut Merella ständig sein Netzwerk aus. Inzwischen machen bundesweit mehrere hundert Unternehmen und Privatpersonen beim Sammelsystem von Tobacycle mit. Bisher hat das Tobacycle-Team mehrere Tonnen Zigarettenkippen gesammelt. „Alle Zigarettenstummel werden restlos verwertet, inklusive Asche und Giftstoffen (Sondermüllverbrennung).

Im Online-Shop des Vereins können die In- und Outdoor-Aschenbecher erworben werden. Bis zur stofflichen Verwertung der Kippen sei es ein langer Weg gewesen, sagt Merella: „Für die ersten Versuche habe ich alle möglichen Geräte verwendet, darunter Mikrowelle, Kaffeemühle und sogar ein Ultraschallbad für Brillen.“ Schnell war klar, dass es so nicht funktioniert. Aber inzwischen kann der Tüftler auf Kooperationen mit Unternehmen aus der Kunststoff- und Metallbranche bauen. Auch mit Zigarettenunternehmen ist Merella im Gespräch.

Tobacycle finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Kippenjäger in zahlreichen Orten unterstützen die Arbeit. Merella bietet Unternehmen, Gastronomen und Veranstaltern gegen Pfand Eimer, Kisten und Plastikröhrchen zum Sammeln von Kippen an. Das Interesse an dem bislang einzigartigen Konzept ist groß, wie Anfragen von Interessenten aus mehreren Ländern belegen.

Wer in Basel Zigaretten auf der Straße wegwirft, muss dafür 80 Franken Strafe zahlen.

Immer mehr Städte verhängen Bußgelder

Mit seinem Sammelsystem hat Merella frühzeitig einen Trend erkannt. Das Wegwerfen von Zigarettenkippen stellt, wie auch bei anderen Abfällen eine Ordnungswidrigkeit dar. Und immer mehr Städte verhängen ein Bußgeld gegen Raucher, der ihre Kippe in die Umwelt schnippen. Das liegt in Deutschland, abhängig vom Ort, zwischen 10 Euro in Dresden und 55 Euro in München. Zum Vergleich: In der Schweiz müssen Umweltfrevler deutlich tiefer in die Tasche greife, in Basel kostet eine auf den Boden geworfene Zigarette 80 Franken.

Sicher ist, dass die Arbeit den Kippensammlern so schnell nicht ausgehen wird. Allein in Deutschland landen nach einer Berechnung der Hamburger Stadtreinigung täglich 140 Millionen Kippen auf Wegen, Plätzen und Straßen. Merella hoftt, noch mehr Partner und Sponsoren zu finden, die sich an der Forschung und dem Projekt beteiligen. In seinem Kampf gegen die hochgiftigen Stummel ist er die nicht allein: Die Initiative „Die Aufheber“ fordert sogar Pfand auf Zigaretten. Angedacht sind 20 Cent pro Zigarette, was etwa vier Euro pro Schachtel entspricht. Fazit: Vorerst bleibt uns das Kippen-Problem erhalten und Städte und Kommunen werden weiter unter der Belastung durch die hochgiftigen Stumpen leiden.

Fotocredit: Alexander Hauk

Weitere Infos und Abgabestellen für Zigarettenkippen auf www.tobacycle.de

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