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Bessere Luft durch die Pandemie?

Die vorläufige Bilanz der Luftqualität des Umweltbundesamtes für das Jahr 2020 zeigt bei Feinstaub (PM10) die zweitniedrigste Belastung seit Beginn der Messungen im Jahr 2000, bei Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon (O3) die niedrigste Belastung seit 1990.

Redaktion

In der Belastung mit den Luftschadstoffen Stickstoffdioxid und Feinstaub zeigt sich im Jahr 2020 der Einfluss der Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Corona-Virus. Insbesondere Reisebeschränkungen und Home-Office waren für einen Rückgang des Verkehrsaufkommens maßgeblich. Ein weiterer wesentlicher Faktor für die niedrige NO2- und PM10-Belastung des Jahres 2020 war die sehr warme Witterung bis Mitte März. Die überdurchschnittlichen Wintertemperaturen hatten einerseits einen geringeren Heizenergiebedarf zur Folge und damit niedrigere Emissionen aus Raumheizung, andererseits waren auch die Bedingungen für die Ausbreitung der Schadstoffe günstiger.

Vorläufige Stickstoffdioxid-Bilanz 2020

Stickstoffdioxid (NO2) stammt vor allem aus dem Verkehr, hier wiederum von Dieselfahrzeugen. Im ersten „Lockdown“ von Mitte März bis Anfang Mai 2020 lag der Kfz-Verkehr deutlich unter dem Niveau der Vorjahre, an einzelnen Straßenabschnitten betrug der Rückgang annähernd 55 %. Im Sommer 2020 erreichte das Verkehrsaufkommen wieder annähernd das Niveau der Vorjahre, im Oktober und November wurde erneut ein deutlicher Rückgang beobachtet. Der Rückgang des Verkehrsaufkommens spiegelt sich in den gemessenen NO2-Konzentrationen wieder. In der zweiten Märzhälfte 2020 lagen die NO2-Konzentrationen an den höchstbelasteten Messstellen in den Landeshauptstädten um 35 % bis 56 % unter den Werten der Jahre 2018 und 2019, im November 2020 zwischen 2 % und 24 % unter den Vorjahreswerten. Generell zeigt sich in den letzten Jahren – bedingt durch die Erneuerung der Fahrzeugflotte – ein abnehmender Trend in der Stickoxidbelastung. Die NO2-Jahresmittelwerte lagen 2020 insgesamt auf dem niedrigsten Niveau seit 1990: Erstmalig traten keine Überschreitungen des EU-Grenzwertes von 40 µg/m³ auf; die Summe aus Grenzwert und Toleranzmarge gemäß Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) von 35 µg/m³ wurde nur an der Messstelle Vomp A12 überschritten, der Grenzwert gemäß IG-L von 30 µg/m³ an drei weiteren Messstellen in Graz, Linz und Wien. Europaweit waren die Rückgänge bei NO2 in manchen Ländern bzw. Städten noch deutlich höher, wie Auswertungen der Europäischen Umweltagentur zeigen.

Vorläufige Feinstaubbilanz 2020

Die Covid-bedingten Maßnahmen haben auch die Feinstaubbelastung (PM10) beeinflusst. Im Unterschied zu NO2 sind aber die Zusammenhänge komplexer. Feinstaub hat viele unterschiedliche Quellen, wie Hausbrand, Verkehr, Industrie aber auch Landwirtschaft, und wird zudem weiträumig verfrachtet (z. B. Wüstensand). Dazu kommt, dass sich Feinstaub auch aus anderen Schadstoffen, sogenannten Vorläufersubstanzen, bilden kann. Europaweit zeigen die Auswertungen der Europäischen Umweltagentur einen Rückgang bis zu 20 % im April 2020. Tagesmittelwerte über 50 µg/m³ zeigt die vorläufige Feinstaubbilanz bis 30. Dezember 2020 an maximal 17 Tagen (Messstelle Graz Don Bosco). Damit wurde 2020 wie auch 2019 weder das Grenzwertkriterium nach IG-L (Immissionsschutzgesetz-Luft; mehr als 25 Tagesmittelwerte über 50 µg/m³ pro Kalenderjahr) noch das Grenzwertkriterium der EU-Luftqualitätsrichtlinie (mehr als 35 Tagesmittelwerte über 50 µg/m³ pro Kalenderjahr) für PM10 überschritten.

Auch die Jahresmittelwerte für Feinstaub (PM10 und PM2,5) lagen in den meisten Bundesländern unter dem Niveau der Jahre davor. An den meisten Messstellen wurde der niedrigste Jahresmittelwert seit Beginn der Messreihe registriert. Der Indikator für die durchschnittliche Exposition (Mittelwert über PM2,5-Jahresmittelwerte) ergibt vorläufig einen Wert von 11,6 µg/m³ und liegt damit deutlich unter dem Reduktionsziel für die Jahre 2018 – 2020 von 15,1 µg/m³.

Vorläufige Ozonbilanz 2020

Auch bei Ozon lagen die Werte unter denen der Vorjahre. Bei den Überschreitungen der Informationsschwelle (180 µg/m³ als Einstundenmittelwert) sowie der Anzahl der täglichen maximalen Achtstundenmittelwerte (Zielwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit: maximal 25 Tage mit Achtstundenmittelwerten über 120 µg/m³, gemittelt über drei Jahre) wies das Jahr 2020 die niedrigste Belastung der letzten 30 Jahre auf. Die Informationsschwelle wurde nur an einem Tag an einer Messstelle in Wien überschritten. 2019 an fünf Tagen und 15 Messstellen, 2018 an zwei Tagen und fünf Messstellen,). Lediglich an drei Messstellen wurden Achtstundenmittelwerte über 120 µg/m³ an mehr als 25 Tagen registriert (in den Vorjahren zwischen 48 und 77 Messstellen) . Europaweite Modellrechnungen deuten darauf hin, dass die niedrigen Ozonwerte auch mit dem Rückgang der NOx-Emissionen durch die Covid-Maßnahmen zusammenhängen.

Fotocredit: Pixabay

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