Klimaschutz durch Apps

Apps mit Klimaschutzfaktor

Zum Klimaschutz gehören nicht bloß multiliterale Verträge und Investitionen in erneuerbare Energien. Die Politik alleine wird es nicht richten. Der Wandel muss auch von den KonsumentInnen ausgehen. Auch die digitale Gründerszene will uns dabei unterstützen.

Thomas Pisan

Die bereits spürbaren Folgen der Klimakrise und der Aufschrei der „Fridays for Future“-Bewegung sorgen für eine verstärkte Sensibilisierung in puncto nachhaltigen Lebensstil. Immer mehr Menschen sind dazu bereit, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen und wollen Einblick in den persönlichen CO2-Fußabdruck, den sie hinterlassen. Es herrscht größtenteils aber noch Intransparenz. In der Regel ist es für KonsumentInnen sehr zeitaufwändig und schwierig, Produkte und Dienstleistungen nach Nachhaltigkeitskriterien auszuwählen. Komplexe Wirtschaftskreisläufe und politische Zurückhaltung (was möglich ist, wenn man wirklich in der Politik aktiv wird, sieht man aktuell in der Coronakrise) sind auch wenig hilfreich. KonsumentInnen, die den Willen für nachhaltigen Konsum haben, müssen sich also selbst zu helfen wissen, um das eigene Konsumverhalten in Einklang mit den neuen Wertvorstellungen zu bringen. In der Regel gibt es in so einem Fall heutzutage eine App. Und dank einer aktiven Gründerszene in Sachen Klimaschutz in diesem Fall gleich mehrere. Wir stellen heute drei Start-ups vor.

worldwatchers klimakompass

Der kostenfreie klimakompass des Münchner Start-ups worldwatchers ist eine ganzheitliche CO2-tracking-App, die Klimaschutz alltagstauglich machen will und nützliche Informationen zum CO2-Fußabdruck bietet – in allen Bereichen des privaten Lebens: Wohnen, Ernährung, Mobilität, Shopping, Urlaub, Freizeit und digitales Leben. Bei jeder Entscheidung bietet die App einen Anhaltspunkt, mit welchen Auswirkungen auf das persönliche CO2-Budget und das Klima zu rechnen ist. Dazu greift der klimakompass auf verschiedene Datenbanken zurück. Einerseits wurden Produktgruppen gemeinsam mit dem Wuppertal Institut für Klima, Energie und Forschung bewertet. Anderseits wird auf Ressourcen wie hauseigene Footprint-Analysen und öffentliche Informationen zurückgegriffen. In Zusammenarbeit mit Unternehmen werden deren Produkte analysiert, um den Produkten einen genauen CO2-Wert zuweisen zu können. Dies wird in der App auch klar gekennzeichnet.

Inoqo

Das Wiener Start-up Inoqo entwickelt gerade eine App, die NutzerInnen dabei hilft, ökologische und soziale Verantwortung beim täglichen Lebensmitteleinkauf zu übernehmen. Die App soll NutzerInnen unmittelbar und faktenbasiert Feedback geben, ob das Kaufverhalten tatsächlich nachhaltig ist und welchen Impact sie hinterlassen. Dazu zeichnet die App die Einkäufe automatisch (ohne Einscannen der einzelnen Produkte!) auf, analysiert sie und veranschaulicht den KonsumentInnen, welchen CO2-Abdruck ihr Einkauf hinterlässt. Vorab können zudem eigene Präferenzen und Werte festgelegt werden (Bio-Eier?, Regionalität?, Palmöl?), die App informiert anschließend, ob das Kaufverhalten mit diesen übereinstimmt und schlägt gegebenenfalls nachhaltigere Alternativen vor. Weiters wird dargestellt, welchen Einfluss das Kaufverhalten der letzten 30 Tage auf Biodiversität und Klima hat. Nudging und Gamification, also Lob und Anreize sowie der Vergleich mit anderen NutzerInnen, sollen ebenfalls eine große Rolle spielen. Wer Interesse hat, kann auf der Website bereits einer Warteliste beitreten.

Klima

Die Klimaschutz-App Klima des Berliner Start-ups Climate Labs ist bereits als Beta-Version für angemeldete TesterInnen freigegeben und berechnet aufgrund der persönlichen Angaben zu Konsum- und Ernährungsgewohnheiten sowie Mobilitätsverhalten (Anzahl der jährlichen Flugreisen, ob bevorzugt Auto, Bus oder Bahn genutzt werden) ebenfalls den gesamten CO2-Fußabdruck der NutzerInnen. Gleichzeitig können diese ihren persönlichen CO2-Fußabdruck gegen eine monatliche Gebühr ausgleichen – je nach CO2-Wert zwischen fünf und 20 Euro. Zehn Prozent der Gelder werden zur Deckung laufender Kosten genutzt, weitere 20 Prozent werden in Aufklärungs- und Medienkampagnen investiert. Der Rest geht an Klimaprojekte (etwa zur Aufforstung von Wäldern oder für den Bau von Solaranlagen). Die Ziele des Unternehmens sind hochgesteckt, ebenso die Erwartungen an Climate Labs. Die Zielsetzung lautet bis zum Jahr 2025 über die App jährlich 20 Millionen Tonnen CO2 zu kompensieren – das entspräche etwa dem Ausstoß von vier Millionen Autos. Fünf Millionen Euro haben die Investoren bereits in das Start-up investiert.

Fotocredit: packmas.JETZT

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